In Oberrüti im Kanton Aargau wächst zwischen Hecken, Bäumen und Weiden ein Stück Zukunft heran. Auf 400 Metern über Meer gestaltet Pirmin Adler seinen 22 Hektar grossen Betrieb zu einem vielfältigen Agroforst-System, das Biodiversität, Tierwohl und Klimaschutz vereint. Für dieses Konzept wurde der Hof für den PRIX CLIMAT 2025 nominiert, eine Auszeichnung für innovative und klimafreundliche Landwirtschaft.
Wer den Adlerzart-Hof im aargauischen Oberrüti betritt, merkt sofort: hier wird Landwirtschaft neu gedacht. Zwischen den dicht bepflanzten Gehölzstreifen, weiden Limousin-Kühe und knabbern genüsslich an Blättern, Blüten und Knospen. „Rinder sind Wald- und Steppentiere, die auch Gehölz fressen“, erklärt Pirmin Adler. „Damit nehmen sie Spurenelemente auf, die andere Landwirte zufüttern müssen.“ Etwa Selen, Mangan oder Eisen. Was sie gerade brauchen, wissen sie selbst. „Kürzlich frass nur eine Kuh von den Nussbaumblättern, die ich in den Stall legte. "Sie war von Parasiten befallen.“
Die Hecken aus Wildobst-, Laub- und Nadelbäumen spenden Schatten, liefern Futter und dienen als natürliche Apotheke. Ihre tiefreichenden Wurzeln binden Stickstoff, während die Blätter und Gehölze Kohlenstoff speichern. Ein Gewinn für das Klima und die Bodenfruchtbarkeit: „Davon profitieren alle umliegenden Kulturen“, sagt Adler. „Zudem bieten die Hecken Lebensräume für Bodenlebewesen, Insekten und Vögel.“ Der frische Häcksel aus den Sträuchern sorgt im Stall wiederum für ein besseres Klima und für gesunde Tiere. Das ist für Adler spürbar:„Die Mutterkühe sind deutlich vitaler.“
Ende November 2022 wurde die erste Etappe der Mehrnutzenhecken gepflanzt. In den kommenden Jahren sollen auf weiteren neun Hektaren zusätzliche Agroforststreifen entstehen, die das Land Schritt für Schritt in ein lebendiges Mosaik aus Wiesen, Bäumen und Sträuchern verwandeln. «So schaffen wir ein widerstandsfähiges Ökosystem und respektieren gleichzeitig die Bedürfnisse unserer Nutztiere », beschreibt Adler seine Vision. Damit die Gehölze die Ackerpflanzen keine Nährstoffe entziehen, werden ihre Wurzeln einmal jährlich mit einer speziell dafür entwickelten Maschine zurückgeschnitten.
Künftig möchte Adler sein Wissen weitergeben und seine Berufskolleginnen und -kollegen ermutigen, Agroforst-Systeme selbst auszuprobieren. „Ich bin überzeugt dass wir Landwirtschaft ohne Einbussen für Mensch und Tier nachhaltiger gestalten können.“
Für diesen konsequenten Ansatz wurde der Hof Adlerzart für den PRIX CLIMAT 2025 nominiert – eine Auszeichnung des Vereins Netzwerk Klima & Landwirtschaft für besonders innovative und klimafreundliche Landwirtschaft.
Neben dem Hof Adlerzart präsentieren drei weitere Finalist:innen ihr Projekt anlässlich des PRIX CLIMAT. Wer am meisten überzeugt, entscheidet sich durch ein Online-Voting und die Bewertung einer Fachjury. Der Preis wird am 29. November 2025 im Rahmen des Klimagipfels für Landwirtschaft und Esskultur in Landquart übergeben.
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