Glausers Bio-Baumschule in Noflen – lebendige Kreisläufe
verasteiner
11. Nov.
2 Min. Lesezeit
In Noflen im Berner Mittelland bewirtschaftet die Familie Glauser auf 630 Metern über Meer eine Kombination von Baumschule und Landwirtschaftsbetrieb mit Herzblut, Innovationsgeist und einem Ziel: geschlossene Kreisläufe zu schaffen, die Landwirtschaft, Energie, Wasser und Biodiversität verbinden. Für dieses ganzheitliche Konzept ist Glausers Bio-Baumschule für den PRIX CLIMAT 2025 nominiert – eine Auszeichnung für klimafreundliche Landwirtschaft.
Im Betriebsgebäude der Familie Glauser in Noflen riecht es nach Holz und ein stetiges Summen verrät: die Pyrolyseheizung läuft. Sie liefert Wärme für Wohnungen, Küche und Büro und produziert dabei Pflanzenkohle, die den Boden-Kreislauf schliesst. „Ein Schlüssel für gesunde Böden“, sagt Baumschul-Leiter Jürg Glauser und schaufelt schwarze, feinkörnige Kohle aus einem Behälter. „Im Gegensatz zur Holzverbrennung bleibt bei der Pyrolyse rund die Hälfte des Kohlenstoffs gebunden. Das macht einen Unterschied fürs Klima und für unsere Böden.“ Der Rohstoff dafür - Hackschnitzel aus Baumschnitt, Ästen und Wurzelresten - stammen aus der Baumschule und dem anliegenden hofeigenen Wald.
Nach der Vergasung in der Pyrolyseanlage bleibt Pflanzenkohle zurück, die auf dem Hof als Bodenverbesserer dient. Schon im Stall wird sie über den Boden gestreut, wo sie Nährstoffe aus dem Mist und Urin bindet. Auch auf dem Kompost wird sie beigemischt: „Man kann sich Pflanzenkohle wie eine leere Batterie vorstellen“, erklärt Landwirt Lukas Glauser. „Sie lädt sich mit Nährstoffen und Mikroorganismen auf und gibt sie später im Boden wieder ab. So bleiben Nährstoffe dort, wo sie hingehören – bei den Pflanzen.“ Die Kohle speichere auch Feuchtigkeit. Besonders in trockenen Sommern zeigt sich deren Wirkung: „Pflanzen überstehen Hitzeperioden besser, weil sie auf diese Reserven zurückgreifen können.“
A propos Wasser: Auf dem Hof der Glausers werden jährlich mehrere Hundert Kubikmeter Wasser gesammelt und wiederverwertet – Regenwasser von den Dächern, Wasser aus der Baumschule und der Landwirtschaft. „Jeder Tropfen zählt“, sagt Gründer Ruedi Glauser. Wegen des Klimawandels wird das nasse Gut im Sommer rarer, während sich die Vegetationszeit verlängert. „Das Wasser auf dem Hof zurückzuhalten wird deshalb immer wichtiger." Die Auswirkungen des Klimawandels sind für Ruedi Glauser bereits jetzt spürbar: „Wir wässern schon heute viel mehr als noch vor wenigen Jahren.“
Der Nachhaltigkeitsgedanke zählt für die Familie auf allen Ebenen. Deshalb haben Glausers Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere geschaffen, die die Schädlinge natürlich regulieren. Etwa einen Teich, Ökostreifen mit Ast- und Steinhaufen sowie Nistkästen. Lebensräume, die ganz selbstverständlich zum Hof gehören.
Für diesen konsequenten Ansatz wurde Glausers Biohof und Baumschule für den PRIX CLIMAT 2025 nominiert – eine Auszeichnung des Vereins Netzwerk Klima & Landwirtschaft für besonders innovative und klimafreundliche Landwirtschaft.
Neben der Glausers Biohof und Baumschule präsentieren drei weitere Finalist:innen ihr Projekt anlässlich des PRIX CLIMAT. Wer am meisten überzeugt, entscheidet sich durch ein Online-Voting und die Bewertung einer Fachjury. Der Preis wird am 29. November 2025 im Rahmen des Klimagipfels für Landwirtschaft und Esskultur in Landquart übergeben.
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