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Ferme du Château: Landwirtschaft ohne Tiere

  • verasteiner
  • 18. Nov.
  • 2 Min. Lesezeit

In Combremont-le-Grand im Waadtland, wo die Ebene in sanfte Hügel übergeht, liegt die Ferme du Château auf 600 Metern über Meer. Seit 2014 bewirtschaften Bruno und Cathy Graf hier 20 Hektaren Land ohne Tiere und ohne Mist. Damit gehört der Betrieb zu einem der ersten in der Romandie, der bio-vegane Landwirtschaft mit ausschliesslich pflanzlichen Kreisläufen betreibt.


Auf ihren 20 Hektaren wachsen Sonnenblumen, Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse in Mischkultur. Kichererbsen, Chia und Zuckerhirse trotzen der Sommerhitze, während Lupinen und Soja den Boden mit Stickstoff versorgen. Auf Gülle, Mist oder Dünger aus tierischen Reststoffen verzichten Bruno und Cathy Graf vollständig. Stattdessen nutzen sie eigenen Kompost aus pflanzlichen Abfällen. „Unsere Erde lebt“, sagt Bruno Graf und lässt eine Handvoll dunkle, krümelige Erde durch die Finger rieseln. „Ich würde keinen Kompost verwenden, von dem ich nicht weiss, wie er hergestellt wurde.”
Ein Blick über die Felder zeigt, wie ausgeklügelt das bio-vegane System funktioniert. Zwischen den Ackerkulturen wachsen Agroforst-Streifen mit Bäumen und Sträuchern, die Schatten spenden, Erosion verhindern und Lebensräume für Insekten schaffen. Pflanzenreste werden direkt vor Ort kompostiert – eine Methode, die Wasser speichert und das Bodenleben fördert. „Die Dosierung ist entscheidend“, erklärt Bruno Graf. „Man muss herausfinden, welche Mengen, welche Schichten und welche Qualität am besten passen.“ Auch eine regelmässige Rotation der Feldfrüchte trägt dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Die Vielfalt der Kulturen stärke zudem die Resilienz beim Anbau: „Hitzeresistente Pflanzen wie Kichererbsen oder Zuckerhirse widerstehen langen Trockenperioden, während tiefwurzelnde Arten und der lockere Humus Staunässe verhindern.“
Durch den Verzicht auf tierische Dünger und importierte Düngemittel sinken die Emissionen von Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O) deutlich. Hinzu kommt: „Agroforst-Streifen und die Kompostierung vor Ort binden Kohlenstoff“, sagt Bruno Graf. Um ihre Anbaumethoden wissenschaftlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln, arbeiten die Grafs eng mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zusammen. Diese Kooperation liefert wertvolle Erkenntnisse, etwa über den Anbau von Nischenkulturen wie Speisehafer oder Zuckerhirse.
Für Bruno und Cathy Graf ist die Ferme du Château weit mehr als ein Landwirtschaftsprojekt. Sie verstehen ihre Arbeit als Beitrag zu einer friedlicheren Zukunft. „Wir wollen zeigen, dass Landwirtschaft auch ohne Tiere funktioniert und dem Klima nützt“, sagt Cathy Graf. „Jeder Hektar kann ein Teil der Lösung sein.“
Für diesen konsequenten Ansatz wurde die Ferme du Château für den PRIX CLIMAT 2025 nominiert – eine Auszeichnung des Vereins Netzwerk Klima & Landwirtschaft für besonders innovative und klimafreundliche Landwirtschaft.
Neben der Ferme du Château präsentieren drei weitere Finalist:innen ihr Projekt anlässlich des PRIX CLIMAT. Wer am meisten überzeugt, entscheidet sich durch ein Online-Voting und die Bewertung einer Fachjury. Der Preis wird am 29. November 2025 im Rahmen des Klimagipfels für Landwirtschaft und Esskultur in Landquart übergeben.

Hier geht es zum Kurzfilm und Online-Voting


 
 
 

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